|
|
 |
 |
|
"Wenn ich mit neuen Ideen nach Deining komme", begann Prof. Dr. Werner Sacher von der EWF der Uni Nürnberg-Erlangen seinen Vor- trag, "muss ich an die Geschichte von ´Hase und Igel´ denken. Immer sagt der Deininger Igel: ´Bin schon da´ ". Professor Sacher sprach in der pädagogischen Konferenz vom Mittwoch, 27.04.2005, über das Thema: "Portfolio - Möglichkeiten zur Verbesserung der Schülerbeurteilungen" und wählte seine Worte voller Anerkennung für die anwesenden Lehrkräfte.
Keine Frage der Interpretation
Die Fabel vom Hasen und Igel (vgl. WEB-site) lässt aber ihrerseits viele Interpretationen zu. Irgendwie war der Wettlauf zwischen den beiden ja auch unfair und nicht ehrlich. Rektor Lang, der nach dem Vortrag erste konkrete Vorschläge zur Organisation von Portfolioarbeit vorstellte, ging eingangs kurz auf das Igel-Gleichnis ein: "Warum wir Deininger bei neuen Methoden gern früh dran sein möchten, hat einen ganz einfachen Grund: Alle Gestaltungsmöglich- keiten sind noch offen und Vorschriften kaum vorhanden. Hat sich dann ein funktionierendes Deininger Modell einmal bewährt, darf man es in der Regel auch beibehalten.
Innovation in der Kritik
|
 |
 |
 |
| Prof. Dr. Werner Sacher in der Konferenz |
|
 |
Wir würden uns dagegen wehren, wollte man unsere Darstellungen als "unehrlich" bezeichnen. Klar! Mit Innovationen setzt man sich der Kritik aus, besonders derer, die unseren Aufwand nicht betreiben wollen oder können. Sofern es sich dabei um Lehrkräfte handelt, verweisen wir auf die Grundsatzprogramme der Lehrerverbände. Klar - wer Neues nicht ausprobiert, trägt auch nicht das Risiko damit zu scheitern und wer sich einsetzt, setzt sich aus. Viele Neuerungen in Deining haben mit Öffnung der Schule für Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern zu tun. Jedoch steht die "Öffnung von Schule für Zusammenarbeit" nicht in der Beliebigkeit der Akteure. Sie ist im BayEUG 1. Teil Art.2 verpflichtend vorgegeben. Außerdem wurden zahlreiche Möglichkeiten durch das Kultusministerium inzwischen legitimiert. Wir haben uns sogar schon überlegt, weniger über unsere Arbeit zu berichten, um nicht Missgunst zu provozieren. Wir wollen ja nicht prahlerisch wirken, weil wir dafür auch keinen Grund sehen - wir haben längst nicht alle Probleme im Griff. Doch würden wir mit weniger Berichterstattung ja unseren Eltern und den Bürgern die Möglichkeit nehmen, unsere Pädagogik zu verstehen und das fällt ohnehin nicht allen leicht. Otto Herz meint: "Eltern sind mit ... plumpen Parolen leicht zu verführen, weil ihnen die komplexeren Fragen gelingender Schulpädagogik (zu) oft verschlossen bleiben". Außerdem fällt vielleicht auf, dass Innovation Kosten verursachen kann. Bürgermeister Scherer hat dennoch bisher immer unterstützt.
Unser Vorteil ist das Team
|
 |
 |
|
 |
Unser Vorteil, wie beim Igel, ist das Team im Kollegium. "Teamarbeit entlastet", wurde uns gesagt. Das stimmt mit Sicherheit nicht, was den Aufwand an Zeit angeht. In unendlich vielen Gesprächen mussten wir Ziele besprechen und Umsetzungen konzipieren. Aber Teamarbeit macht stark und entlastet vom "krank machenden" seelischen Druck, unter dem vor allem die Einzelkämpfer leiden. Dass dies im Kollegium so empfunden wird, konnten wir in interner Evaluation beweisen. Und im Team muss sich nicht einer um alles kümmern; viele engagierte Lehrkräfte teilen sich die Aufgaben und auch die Ganztagsbetreuer arbeiten in ihren Bereichen weitestgehend selbständig. Diese Selbständigkeit schafft Freiheit und damit erst den Boden, auf dem freiwillige Mehrarbeit gedeihen kann. Ein Betreuer, der zum Aufhängen eines Plakates immer erst den Schulleiter fragen muss, wird bald aufhören Plakate aufzuhängen. Eltern, die sich engagieren und jede Kleinigkeit erst nachgefragt haben müssen, hören auf sich zu engagieren. Klar - wer nichts macht, macht auch keine Fehler. "Verantwortung an Mitarbieter zu übertragen und gleichzeitig stets Interesse zeigen für die übertragenen Aufgaben" ist eine wichtige Grundhaltung der Schulleitung. Deshalb arbeiten bei uns Lehrer und Betreuer weit über die Pflichtstunden hinaus - und daher unsere Vielfalt. Unser Wettlauf geht auch nicht gegen Hasen oder Mitbewerber, die am Ende als Verlierer da stehen sollen, sondern um Lebenschancen für unsere Schüler, um Überlebenschancen für unsere ländliche und wohnortnahe Schule und um den Erhalt der seelischen und körperlichen Gesundheit unserer Lehrer.
Aus Vergangenheit lernen
|
 |
Anders herum aber, wenn wir immer warten würden, bis Neuerungen verbindlich von oben angeordnet werden, müssten wir in manch saueren Apfel beißen und uns möglicherweise über viele Jahre hinweg damit herumärgern. Der Rektor meint, dass man aus der Vergangenheit lernen sollte und erinnert sich an negative Beispiele in der Lehrplangeschichte. Die Mengenlehre der 70er-Jahre war so ein Ding, das vielen Schülern, Eltern und Lehrern den letzten Nerv gekostet hat. Und auch, als in den 80ern die Computerausbildung allmählich verbindlich wurde, ging viel von der ursprünglichen Freude im Umgang damit verloren. Es galten nämlich nur die DOS-Systeme von IBM oder Microsoft als "die wahren Bildungscomputer". Wer in den 80er Jahren auf wesentlich günstigere Plattformen, wie ATARI, AMIGA oder SCHNEIDER setzte, galt als computer-pädagogischer Ketzer, hätte in Wirklichkeit aber die Schüler viel besser für das künftige Leben vorbereitet. Sehr viele Jahre ärgerten sich Lehrer und Schüler in der Hauptschule über die angeordnete Produktion von höchst zweifelhaften "GW-Basic-Progrämmchen" und quälten sich durch Hot-Key- gesteuerte Textverarbeitungen, bis schließlich Microsoft selbst mit Windows die Benutzerführung des ATARI-Erfinders einfach nachbaute und auch die MS-DOS Anwender zwang, auf die inzwischen farbigen Bildchen zu klicken. Selbst das elitäre Linux folgte irgendwann der Icon-Philosophie.
Einfach ausprobieren
Viele Neuerungen, über die mancherorts lamentiert wird, werden in Deining - nach ausführlicher Diskussion der Beteiligten und den eigenen Bedürfnissen angepasst - einfach ausprobiert. So haben die Deininger Lehrer auch keine Angst mehr vor der externen Evaluation, wann immer sie auch verbindlich kommen mag. Man hatte sich nämlich freiwillig einer solchen Überprüfung von fremden Fachleuten unterzogen und erhielt dafür auch noch einen i.s.i-Preis mit Preisgeld. Selbst vor dem Ganztagsbetrieb fürchtete man sich nicht. Man hat ihn einfach eingeführt. Vorstandsmitglieder und Schulleiter hatten vor dem Start viel Zeit aufgewendet. Aber jetzt läuft es rund und das Deininger Modell funktioniert. Kein Lehrer hat dadurch wirklich Nachteile, alle Eltern und Schüler, die das wollen, genießen jedoch die Vorteile. Richtig ist, dass mit der Übernahme neuer Aufgaben auch wieder neue Probleme entstehen. In Ganztagsschulen fallen Probleme von Schülern noch stärker auf und die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit z.B. wird noch drängender. In Bayern nannte man das Deininger Modell lange Zeit nicht "Ganztagsschule". Diese Bezeichnung war in Bayern für ein anderes Modell reserviert. Wäre Deining hingegen in NRW gewesen, dürfte man diesen Titel umfassend seit 2004 führen, zumal wir von Anfang an Unterricht und Betreuung eng vernetzt allen Grund- und Hauptschülern anboten und ganz bewusst nicht nur einer kleinen Minderheit in einem eigenen Ganztagsbereich. Ab dem Schuljahr 2006/07 heißen alle bayerischen Schulen, die irgend eine Form von Ganztagsbetreuung eingerichtet haben, offene Ganztagsschule. Schulen, die einzelne Ganztagsklassen haben, die also von Lehrkräften auch nachmittags unterrichtet werden, nennt man gebundene Ganztagsschulen.
Mehr Gerechtigkeit anstreben
Aber um Titel geht es ja auch nicht, sondern um das Bemühen zu einem Stück mehr Gerechtigkeit für Schüler und Eltern, aber bitte nicht auf Kosten der Lehrer, denn die arbeiten in Deining nun wirklich genug (vgl. auch Dank an die Lehrkräfte und die Betreuer). Und nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Schulaufsicht bisher dafür gesorgt hat, dass man auch genügend Lehrerstunden hat. Wenn man also über weitere Innovationen nachdenkt, stehen ganz oben die Fragen: Wieviel Arbeit macht es? Lohnt der Aufwand? Kann man im Gegenzug auf andere Maßnahmen verzichten? Gibt es Gewinner? Gibt es Verlierer? Sind die zu verändernden Erscheinungen möglicherweise gesellschaftlich oder sturkturell bedingt und damit durch uns gar nicht veränderbar? Aber - Manchmal sind es ja auch nur Kleinigkeiten, die zur Verbesserung oder zur Freude beitragen.
|
 |
Die Zeichen der Zeit weisen momentan recht eindeutig darauf hin, dass der Hauptschüler zum gesellschaftlichen Verlierer wird. Deshalb lauten vorderste Ziele: Berufliche Orientierung und viele Praxiserfahrungen, Unterrichtsgegenstände so nahe wie möglich an der Wirklichkeit und - nach gewissenhafter Evaluation - alle erdenklichen Förderungen zur Erreichung bestmöglicher Abschlüsse, damit die Schüler berufliche Anschlüsse finden können. Projektarbeit, Schülerfirma im Schüler-Café, Präsentation der Ergebnisse und der einzelnen Schritte dorthin - diese Dinge sind Deininger Hauptschülern bestens vertraut. Eine Hoffnung lautet: Wenn wir - nur ein Beispiel - durch Mathe und Arbeitslehre einige Schüler davor bewahren können, später in die Schuldenfalle zu tappen, haben wir sehr viel erreicht. Und es gilt der Ausbildungsunfähigkeit mancher Schüler entgegenwirken und die Bewerbungsfähigkeit zu erhöhen. Die Portfolioarbeit, zumindest die direkte Leistungsvorlage in der Bewerbungssituation, kann systemische Ungerechtigkeiten (z.B. bei Notengebung) minimieren helfen und eine weitere wertvolle Hilfe für Chancengerechtigkeit sein. Und um es auf den Punkt zu bringen: Wir brauchen damit den Vergleich nicht zu scheuen. Bei den überregionalen Jahrgangsstufentests 2005 und auch 2006 landeten wir in allen Kategorien bei den besten 10% der bayerischen Schulen und auch so freuen wir uns über manche Auszeichnung.
Worum geht es? Was kann ein Portfolio aussehen?
(zum Vortrag von Professor Sacher schreibt Steffi Haagen-Schimbera, Lin)
(zum Portfolio-Koffer, vorgestellt von Heinz Lang, R) (in der Klasse eingeführt)
Deining, 2006-07-22 hl
|
 |
|
|
 |
 |
| Die Lehrkräfte beim Vortrag von Prof. Sacher |
|
 |
 |
.
|
 |
|
weitere anerkennende Äußerungen und Zitate
|
 |
|
Sie sind neu hier?
|
 |

|
 |
 |
 |
|
 |
 |
|
|
|
 |
 |