Die Eintrittskarten waren glücklicher Weise noch nicht bestellt. Die bereits bestellten Busse fahren nun andere Ziele an. Genauere Informationen geben wir noch. Erste Vorschläge laufen darauf hinaus, mit der Grundschule den Tierpark Hellabrunn und mit Hauptschülern die Fußgängerzone, das Deutsche Museum oder Geiselgasteig zu besuchen. Das gemeinsame Ziel München empfiehlt sich sehr, weil sich die Preisverhandlungen daran orientierten und bei unterschiedlichen Zielen, entsprechend der Klassen, dann vierzehn Busse bestellt werden müssten, statt der bisher sechs oder sieben.
Im April 2005 war von einer engagierten Lehrerin an den Schulleiter die Idee herangetragen worden, gemeinsam mit allen Schülern die Bundesgartenschau in München zu besuchen. Der Schulleiter, von seinen persönlichen Neigungen her eher kein Botaniker, stimmte nach etwas Überlegung zu. Ihm gefiel vor allem die Idee, dass „alle Schüler und Lehrer gemeinsam mit einigen Eltern etwas unternehmen“. Da die nächste Bundesgartenschau so schnell nicht wieder nach Bayern kommt, dachte er, hätte dieses Thema etwas Einmaliges und alle Voraussetzungen für ein Schulprojekt zum Schwerpunkt Biologie und Renaturierung.
Was dem Schulleiter jedoch nicht gefiel waren die Kosten, die den Eltern dadurch entstehen würden. „Wer in unserer Zeit noch Kinder hat“, so der Schulleiter, „muss ohnehin viel Geld dafür ausgeben. Wir als Schule sollten deshalb sehr rücksichtsvoll mit dem Geldbeutel der Eltern umgehen“. Auf keinen Fall aber will der Schulleiter hinnehmen, dass finanziell schwache Familien oder solche mit mehreren Kindern
sich bei erlebnisreichen Veranstaltungen der Schule ausklinken müssen. Deshalb brachte er als Gemeinschaftserlebnis eine "Schifffahrt auf dem Europakanal von Berching nach Beilngries" ins Gespräch.
Nach Rücksprache mit dem Förderverein der Schule sollten Familien mit drei und mehr Kindern nur für zwei bezahlen müssen und Kinder, die wissen, dass Papa oder Mama finanzielle Probleme haben, sollten es dem Schulleiter persönlich mitteilen. Sie würden ebenfalls von den Kosten befreit.
Die vorschlagende Kollegin hatte inzwischen ermittelt, dass ein Sonderzug von Deining nach München zwar schön wäre, aber pro Person 16 € kostet. Die Busfahrt mit Eintritt ist für 11 € zu haben. In Züge des normalen Bahnverkehrs dürfte eine so große Gruppe nicht einsteigen, so dass man zwar genauso günstig, aber zeitlich gestaffelt hätte fahren müssen.
Am 4. Mai 2005 wurde die Idee mit den Details den Lehrkräften vorgetragen. In den internen Seiten unserer Homepage wurden die Modalitäten aufgezeigt und an der Info-Tafel auf die Sache hingewiesen. Nun sollte mit Schülern und Eltern darüber beraten werden.
Am 3. Juni 2005 in einer Dienstbesprechung fragte der Schulleiter den Stand der Diskussion ab. Hier gab es zwar den Sachvortrag, dass die BuGa nicht den Anforderungen genügt, weil die Pflanzungen spärlich und die Bauwerke (Ameisenperspektiven) nicht wirklich wertvoll seien, jedoch sahen die allermeisten Lehrkräfte einen Sinn darin, den gemeinsamen BuGa-Besuch am 18.7.05 durchzuführen. Der Alternativvorschlag des Schulleiters (Kanalfahrt 2,5 Euro/Schüler plus Bus) wurde verworfen.
Eine ganze Woche später, am 10. Juni 2005, nach weiteren informellen Gesprächen mit Lehrkräften, führte der Schulleiter in der Aula eine Versammlung aller Schüler durch. Alle Schüler sollten die Details – von Pflichtveranstaltung bis Kostenübernahme – mit den gleichen Worten erklärt bekommen.
Am Mittwoch, 15. Juni 2005, rief ein erboster Vater aus Siegenhofen an. Im persönlichen Gespräch am nächsten Tag, 16. Juni 2005, wurde deutlich, dass man sich im Dorf über das Ziel der Fahrt ärgert, weil der Obst- und Gartenbauverein Siegenhofen selber an einem Samstag mit einem Bus hinfährt und die Kinder mitfahren sollten, sonst würde der Bus nicht voll. Der Schulleiter erklärte dem Vater, dass dies kein Problem wäre. Der Vorsitzende des Vereins solle ihm eine Liste mit den Schülern zukommen lassen. Für sie würde er eine Verlegung des Unterrichts auf jenen Samstag ermöglichen, so dass sie am Tag der Schulfahrt befreit würden. Der Vater war nach dem Gespräch versöhnt und sagte sogar zu, dass seine Kinder auch noch an der gemeinsamen Schulfahrt teilnehmen würden.
Am Mittwoch, 22. Juni 2005 fanden Gespräche im Kollegium zum Thema statt (Tendenz Stornierung der Fahrt) und am Abend in der 2. Jahrgangsstufe ein Elternstammtisch. Auch dort wurden von einigen Eltern Bedenken gegen die Fahrt geäußert: Die Kinder würden in der BuGa nichts Interessantes erleben, es gebe zu wenig Schatten und bei Regen zu wenig Unterstellplätze, man würde zu lange im Bus sitzen, nichts zu trinken haben ... .
Am nächsten Tag, Donnerstag, 23. Juni 2005 berichtete der Konrektor von einem Meinungswandel bei einigen Lehrkräften. Man wolle nicht mehr zur BuGa fahren. In der Dienstbesprechung am selben Tag bestätigte sich dies. Der Schulleiter hatte sich zur Frage der Kartenbestellung informiert und konnte berichten, dass man von daher frei entscheiden könne. Er ließ zur Dienstbesprechung auch kurzfristig Vertreter des Elternbeirates einladen. Eine Mutter nahm sich Zeit und bestätigte die Argumente. Sie trug vor, dass sie von Gesprächen mit anderen Besuchern der BuGa wisse, dass es für Kinder nicht interessant sei, die Wege zu weit und zu wenig Schatten wären. So wurde das Ziel storniert.
Weitere Gespräche zu den modifizierten Zielen werden stattfinden. Da man wohl schwerlich den möglicherweise geplanten Wochenend-Familienausflug in den Tierpark ersatzweise für den Schultag gelten lassen kann und außerdem manche Schüler unter Tierhaarallergien leiden dürften, besteht für die anstehende Fahrt keine Teilnahmepflicht mehr, jedoch die Pflicht auf Schulbesuch am Veranstaltungstag. Der verlässliche Ganztagsbetrieb wird an diesem Tag ebenfalls gewährleistet.
Unsere Entscheidung und den Weg zu ihr bedauert der Schulleiter und findet sie eher falsch. Als ausgesprochener „Nicht-Gärtner“ darf er bekennen, dass ihm persönlich der Marsch durch das BuGa-Gelände vermutlich ein größeres Opfer abverlangt hätte, als den meisten unserer Schüler(innen) und er so gesehen gut damit leben kann, wenn es kein Gartenbauprojekt gibt. :)